Startschuss für Life-Science-Kooperation in CENTROPE

Eines der größten Potenziale von CENTROPE in Forschung, Technologie und Innovation liegt im wachsenden Life-Science-Sektor und hier insbesondere bei den Biotechnologien. Um aber ein echter Global Player zu werden, müssen eine Reihe komplexer Herausforderungen gemeistert werden, meinten ExpertInnen einhellig auf einem zu diesem Thema veranstalteten CENTROPE Capacity-Workshop. Die Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bietet dabei einen wichtigen Lösungsweg.

Das Treffen namhafter ExpertInnen von Forschungseinrichtungen, Förderstellen und Unternehmen zeigte einmal mehr, dass jede CENTROPE-Kooperationsagenda im Bereich Wissenschaft und Innovation den erfolgreichen Life-Science-Sektor mit einschließen muss. Das Potenzial ist beeindruckend: In den österreichischen Partnerregionen haben sich mehrere Einrichtungen, etwa in der Molekularbiologie, bis an die Weltspitze vorgearbeitet, und Niederösterreich und Wien unterstützen expandierende Biotech-Cluster. In der tschechischen Partnerregion Südmähren stehen die Life Sciences seit längerem konsequent im Mittelpunkt der Regionalen Innovationsstrategie, die zu bedeutenden Investitionen in neue Einrichtungen für Forschung und Wissenstransfer geführt hat.

Auch in der Westslowakei holen Biotech-Unternehmen vor dem Hintergrund zahlreicher relevanter Forschungseinrichtungen auf, wenn auch auf Basis geringerer verfügbarer Ressourcen und mit einer insgesamt geringeren Dichte. In Nischen, wie der molekulargenetischen Forschung an Pflanzen, kann schließlich auch Westungarn beachtenswerte Biotech-Kompetenzen vorweisen. In Summe sind in CENTROPE mehr als 25 Institute von Akademien der Wissenschaften, Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen sowie hunderte Life-Science-Unternehmen – von kleinen Biotech-Neugründungen bis zu Niederlassungen großer internationaler Pharmafirmen – im Life-Science-Sektor tätig. Die ausgezeichneten klinischen Ressourcen an den zahlreichen Krankenhäusern der Region runden in den Bereichen Pharmazeutik und Medizin das positive Gesamtbild weiter ab.

Drei Schlüsselherausforderungen

Die ExpertInnen verwiesen allerdings auch auf die Hindernisse, die CENTROPE auf dem Weg zu einem vollwertigen Biotech-Player, der in derselben Liga spielen kann wie Standorte an der US-Ostküste, am Oberrhein oder in den britischen Midlands, überwinden muss. Insbesondere drei Herausforderungen wurden in der angeregten Diskussion herausgestrichen: Erstens ist die Biotechnologie in CENTROPE fragmentiert und wird von relativ kleinen Einheiten getragen. Für sich genommen, muss das nicht unbedingt nachteilig sein, so lange es sich um ein Zeichen für eine insgesamt dynamische Entwicklung und die Gründung von immer mehr Spin-offs und Forschungseinrichtungen handelt – belegt beispielsweise von der jungen, aufstrebenden Biotech-Szene in Brno. Problematisch wird es allerdings, wenn Unternehmen keinen Zugang zu Risikokapital haben und ihnen die Ressourcen für eine Expansion in neue Märkte fehlen; oder wenn Forschungseinrichtungen einfach nicht die kritische Masse erreichen, die für internationale Bekanntheit und Wettbewerbsfähigkeit nötig ist.

Zweitens gibt es im entscheidenden Teilbereich der Pharmaindustrie – abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen – in der Region nur Niederlassungen großer internationaler Konzerne. Dass die Region in diesem Industriezweig keine Headquarterfunktion hält (ein markanter Unterschied zur grenzüberschreitenden Region am Oberrhein übrigens), bedeutet mitunter, dass man keine führende Rolle bei Innovationen spielt, von externen Investitionsentscheidungen abhängig ist oder sich auf Nischenpositionen konzentrieren muss. Wenn es ernst wird, kann sich das langfristige Engagement von Pharmafirmen an bestimmten Standorten dann leicht in Luft auflösen. Drittens müssen Wissenschaft und Innovation in CENTROPE mit einem beträchtlichen Gefälle bei Förderpolitik und -instrumenten in der Region leben: Während einige Regierungen einen konsistenten strategischen Rahmen geschaffen haben, gehen in anderen Ländern nominelle Bekenntnisse zur Schlüsselrolle der Biotechnologie nicht unbedingt mit ausreichenden Fördermitteln und -strukturen einher. Unterhalb der nationalen Ebene divergieren die Kapazitäten der CENTROPE-Partnerregionen für eine eigenständige Wachstumsförderung im Biotech-Sektor noch stärker und klaffen weit auseinander.

Vom Erkennen der Potentiale zu abgestimmtem, gemeinsamem Wachstum

Aus all dem folgt, dass eine vielfältige Unterstützung durch die öffentliche Hand für das künftige Wachstum wettbewerbsfähiger Life-Science-Kapazitäten im Vierländereck absolut unabdingbar ist. Angesichts der häufig beschränkten nationalen und regionalen Mittel ist es “einfach zwingend notwendig“, wie es ein Teilnehmer ausdrückte, die Finanzierungschancen im Rahmen der EU-Forschungs- und Regionalpolitik – welche auf dem Workshop ebenfalls vorgestellt wurden – effizient zu nutzen. Der wichtigste Katalysator für den Aufstieg in die Liga der Global Players könnte jedoch durchaus eine intensivere grenzüberschreitende Zusammenarbeit sein. Sobald die enormen Potenziale in der Region nicht als Konkurrenz vor der Haustüre, sondern als Chance für Spitzenleistungen und internationale Wettbewerbsfähigkeit begriffen werden, wird eine Vielzahl von Kooperationen denkbar und sinnvoll.

Am Ende des eintägigen Workshops im Februar 2011 in Wien zeichnete sich die Gestalt einer CENTROPE-Kooperationsagenda für die Life Sciences ab: In einem Sektor, in dem das Entstehen innovativer Ideen sehr stark von der Bildung von Netzwerken und dem Austausch von relevanten Informationen abhängt, machen alle Maßnahmen Sinn, die auf mehr Veranstaltungen zum Finden von Partnern sowie Datenbanken über verfügbare Forschungskapazitäten bzw. wissenschaftliche Kompetenzen hinauslaufen. Ein eigenes Kooperationsmanagement könnte die Zusammenarbeit auf allen Ebenen vorantreiben, von der Mobilisierung von Akteuren bis zur Verbreitung relevanter Ausschreibungen und die koordinierte Akquisition großer interregionaler Projekte. Die Mobilität von ForscherInnen – und hier insbesondere jene der jungen Nachwuchskräfte – ist ein zentraler Aspekt, bei dem mit relativ geringem Aufwand viel erreicht werden kann. Die Weichen scheinen jedenfalls gestellt für eine vielschichtige, engagierte Zusammenarbeit in einem Sektor, der absolut entscheidend für künftiges wissensbasiertes Wachstum in CENTROPE ist.