Warum eine Donaustrategie? Und was kann CENTROPE dazu beitragen? Meinung der Europäischen Kommission

von Colin Wolfe, Europäische Kommission, Leiter der Abteilung Territoriale Zusammenarbeit

Durch die Vernetzung der 14 Länder bemüht sich die Donaustrategie der Kommission um eine neue Kooperationsform, ohne dafür neue Institutionen und Bürokratie zu schaffen. Die CENTROPE-Region entwickelt die Idee der Zusammenarbeit schon seit Jahren und kann hier als hervorragendes Vorbild und wichtiger Partner dienen.

Die Donau ist einer der eindrucksvollsten Flüsse Europas; sie beschwört Vorstellungen vom vornehmen Walzer und der Eleganz verschollener Epochen. Sie ist auch eine Hauptader, die sich quer durch den Kontinent gen Osten schlängelt, vom Schwarzwald bis zur Mündung in das Schwarze Meer, fast 3.000 Kilometer lang. Die Europäische Kommission bemüht sich nun, die enormen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Potenziale der ausgedehnten Region entlang dieses längsten Flusses der EU, der durch vier Hauptstädte – Wien, Bratislava, Budapest und Belgrad – fließt, zu nutzen.

Als eine Verbindungsachse zwischen 14 Ländern – acht innerhalb und sechs derzeit außerhalb der Europäischen Union – stellt die Donau einen gemeinsames Interessenbereich von rund 100 Millionen Menschen dar, die in ihrer Reichweite leben. Sie überquert nationale Grenzen und schafft Verknüpfungen zwischen verschiedenen Politikbereichen wie Verkehr, Energie, Umwelt, Prävention von Gefahren, sozioökonomische Entwicklung, Ausbildung oder nationale und regionale Identität und Kultur. So leben im Einzugsgebiet der Donau beispielsweise über 300 Vogelarten und einige davon sind sehr selten, deshalb sind geeignete Maßnahmen dringend erforderlich, um deren Vorkommen durch industrielle und landwirtschaftliche Verschmutzung nicht mehr zu beeinträchtigen. Auch das Netz von Binnenwasserstraßen ist reif für eine tatkräftige Entwicklung. Die derzeitige Schifffahrt auf der Donau beträgt nur 10 % der Schifffahrt auf dem Rhein.

Modellregion CENTROPE

Die Strategie soll eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen den Partnern auf diesem Gebiet anregen, aufbauend auf den bestehenden Aktivitäten. Ohne neue Institutionen oder Bürokratie dafür zu schaffen, wird sie viele Vorteile der Makroregion nutzen und zugunsten der ganzen Gemeinschaft maximieren. Einer dieser Partner ist CENTROPE, das die Idee der Zusammenarbeit seit Jahren entwickelt und zu einem hervorragenden Vorbild für die regionale Zusammenarbeit und Vernetzung von Regionen in vier Ländern mit vier verschiedenen Landessprachen im Herzen Europas geworden ist. Umgesetzte CENTROPE-Projekte in Bereichen wie Stadt- und Regionalentwicklung, Innovation, IKT-Kooperation sowie Raumplanung zeigen, wie man von Worten zu Taten übergehen kann. Das gemeinsame CENTROPE-Leitbild und konkrete Projekte, wie z.B. Entwicklung und Vernetzung von Metropolregionen, Initiativen für Städtepartnerschaften im Bereich Ausbildung oder gemeinsamer Bericht über Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, stärken die Region und nähern Menschen, Institutionen und Unternehmen an.

Die EU-Strategie für den Donauraum verfolgt eine ähnliche Vision wie CENTROPE: Es ist eine einmalige Chance, das enorme wirtschaftliche, kulturelle und menschliche Potenzial dieser Region gemeinsam zu nutzen und weiterzuentwickeln. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, hängt der Erfolg der Donaustrategie von phantasievollen und aktiven Beiträgen der wichtigsten Akteure in der Region ab: der nationalen, regionalen und lokalen Behörden, der Wirtschaft, der NGOs, der Zivilgesellschaft und der bereits bestehenden Kooperationsstrukturen wie CENTROPE. Diese Partner verfügen über Kenntnisse der Makroregion, welche sie für ihre Aktivitäten im Rahmen der EU-Strategie für den Donauraum bestens nutzen können.