Zentraleuropa – Ein wesentlicher Teil der europäischen Forschungslandschaft

Das Siebte Rahmenprogramme für Forschung und Technologische Entwicklung (RP7) ist das wichtigste Forschungsförderungsinstrument der Europäischen Union im Zeitraum von 2007 bis 2013. Es vereint alle forschungsrelevanten EU-Initiativen unter einem Dach und trägt zur Schaffung eines Europäischen Forschungsraums bei. Aber gibt es auch einen CENTROPE-Forschungsraum?

Eine kurze, wenn auch zweideutige Antwort auf diese Frage lautet: Ja, sicher. Und: nein, eigentlich nicht! Das zumindest ergibt sich aus einer sozialen Netzwerkanalyse im Rahmen des Projekts centrope_tt. Diese Studie fragte nach Beteiligungen am Siebten Rahmenprogramm, die als Indikatoren für die Wettbewerbsfähigkeit der Forschungseinrichtungen sowie für die „Geografie“ von Forschungskooperationen dienten. Um einen Überblick über die Situation der zentraleuropäischen Forschung zu erhalten und wichtige Teile des F&E-Systems in zwei der vier CENTROPE-Länder nicht zu vernachlässigen, wurden auch Einrichtungen in Prag und Budapest mit in die Analyse aufgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Region zwar an vielfältigen europaweiten Forschungen beteiligt ist, jedoch auch, dass Forschungseinrichtungen aus mehr als einem CENTROPE-Mitgliedsland nur an einer vergleichsweise kleinen Anzahl von Projekten mitarbeiten.

So wurden bis September 2009 insgesamt 1.563 Projekte im Rahmen des Teilprogramms „Zusammenarbeit“ umgesetzt, welches etwa zwei Drittel des RP7-Gesamtbudgets ausmacht. Bei 459 dieser Projekte stammte zumindest ein Akteur aus einem der vier CENTROPE-Länder. Die Mehrzahl der 276 an den analysierten F&E-Projekten beteiligten Organisationen stammt aus Österreich (124), gefolgt von ungarischen (77), tschechischen (50) und slowakischen Forschungseinrichtungen (25). Das heißt, dass ein zentraleuropäischer Forschungsraum, wie er für die Studie definiert wurde, an einem von drei transnationalen F&E-Projekten beteiligt ist und damit innerhalb der europäischen Kooperationslandschaft eine sehr gute Position einnimmt.

Ein näherer Blick zeigt jedoch, dass die Mehrzahl der F&E-Kooperationen klar nach Westeuropa hin ausgerichtet ist. Es bestehen hier keine bedeutenden Unterschiede zwischen den nationalen CENTROPE-Teilregionen: Deutschland ist der wichtigste Kooperationspartner, gefolgt von Frankreich, Großbritannien und Italien. Dies belegt, dass zentraleuropäische Forschungsinstitutionen attraktive Partner europäischer Kernländer mit starken F&E-Sektoren sind, man jedoch noch nicht von einem „gemeinsamen“ – d.h. eng verzahnten und integrierten – Forschungsraum in Zentraleuropa sprechen kann.

Netzwerke im Aufbau – die Kooperationslandschaft innerhalb der Region

Dennoch ist der Blick auf die Situation der grenzüberschreitenden Forschungskontakte viel versprechend. Hier sind österreichische Organisationen die wichtigsten Partner für alle drei Nachbarstaaten. Die Gründe dafür liegen vermutlich in der Vergangenheit: Im Laufe der Jahre hat Österreich eine bemerkenswerte Anzahl von Agenturen und Programmen für Innovations- und Forschungsförderung ins Leben gerufen. Die drei anderen Länder sind gegenwärtig damit beschäftigt, ein gleichwertiges, vielfältiges Förderungssystem aufzubauen bzw. bestehende Einrichtungen zu stärken, was bedeutet, dass sich dieses Verhältnis in Zukunft auch ändern könnte.

Bereits heute agieren mehrere Einrichtungen als Knotenpunkte in der Forschungszusammenarbeit, z.B. die TU Wien, die Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, die Technische und Wirtschaftswissenschaftliche Universität Budapest, die Ungarische Akademie der Wissenschaften oder die Slowakische Akademie der Wissenschaften. Diese Zentren verbinden eine Vielzahl von Akteuren und sind auch untereinander gut vernetzt. Sie sind das Rückgrat eines wachsenden Netzwerks in der mitteleuropäischen Forschungskooperation, für das CENTROPE als Angelpunkt wirken kann.

Für mehr Informationen über die treibenden Kräfte der Zusammenarbeit und die thematischen Schwerpunkte der F&E-Kooperation in CENTROPE steht der Bericht „The CENTROPE R&D Cooperation Network – A Social Network Analysis“ (auf Englisch) in voller Länge als Download zur Verfügung.