Ein starkes Comeback? CENTROPE und die weltweite Finanzkrise

Seit der EU-Erweiterung 2004 durchlebte die Region CENTROPE eine Phase starken Wirtschaftswachstums in Verbindung mit einer sich ständig verbessernden Arbeitsmarktlage. Die CENTROPE-Regionen in der Tschechischen Republik, Ungarn und der Slowakei starteten spektakuläre Aufholprozesse, die sich unter anderem durch stabile Zunahmen in der Beschäftigungsquote auszeichneten. Jedoch wurde dieser Trend ab Herbst 2008 abrupt durch die globale Finanzkrise unterbrochen, da alle Länder der Region CENTROPE von den wirtschaftlichen Turbulenzen stark in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Mit einem Wachstum von praktisch Null im Jahr 2008 und einem um 6,7% im Jahr 2009 geschrumpften BIP war Ungarn war am schlimmsten betroffen, obwohl auch die Tschechische Republik, die Slowakei und Österreich negative Wachstumsraten zu verzeichnen hatten. Diese wirtschaftlichen Entwicklungen blieben nicht ohne Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Die Ar-beitslosenraten stiegen in der gesamten Region und erreichten 10% in der Tschechischen Repu-blik, 12% in Ungarn und ca. 14% in der Slowakei, während die entsprechende Quote in Österreich aufgrund der besseren Ausgangslage bislang auf etwa 5% gehalten werden konnte. Teils weisen die einzelnen Regionen von CENTROPE eine von der nationalen Lage abweichende Situation auf, wobei die Region Bratislava nach wie vor eine Arbeitslosenrate von etwa 4% hält; umgekehrt liegen die Vergleichszahlen für Wien und Südmähren über den nationalen Durchschnittswerten.

Kein Zusammenbruch, vielmehr Zeichen der Erholung...

Direkt nach dem Einsetzen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise sahen die Vorhersagen für die mitteleuropäischen Volkswirtschaften recht düster aus, da Experten Kapitalflucht und schwere Probleme für österreichische Banken und Versicherungen mit Großanlagen in Mittel- und Osteuropa erwarteten. Zum Glück entwickelten sich die Dinge anders, da das hohe Ausmaß wirtschaftlicher Integration eine Kapitalabwanderung verhinderte, ein Überbrückungskredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) die in Druck geratene ungarische Wirtschaft stärkte und durch antizyklische Wirtschaftsmaßnahmen auf regionaler Ebene ergänzte, nationale Konjunkturpakete die Nachfrage am Markt stabilisierten; zum Beispiel investiert Wien zusätzlich 700 Mio. € in Infrastruktur- und Wirtschaftsprojekte.

Die positive Wirkung dieser Schritte spiegelte sich klar in der Entwicklung des BIP im ersten Quartal 2010. Mit einem Wachstum von 4,6% gegenüber dem Vergleichsquartal 2009 erwies sich die slowakische Wirtschaft als Wachstumsmotor im östlichen Mitteleuropa. In einem Kommentar zur starken Wirtschaftsleistung des Landes nannte die Zeitschrift BusinessWeek die Slowakei eine Insel des relativen Friedens in schwierigen Zeiten. Die Tschechische Republik und Österreich erzielten zu Beginn des Jahres 2009 ebenfalls zumindest bescheidene Wachstumsraten, während Ungarn insofern eine Wende einleitete, als es gelang, das vorhergehende Absacken des BIP zu stoppen.

... dennoch bleiben Risiken bestehen

Natürlich bedeutet dies noch keine Entwarnung. Nachdem die Instabilität der Weltwirtschaft sowie der europäischen Ökonomien andauert, bleiben ernsthafte Risiken bestehen. Da die Volkswirtschaften aller CENTROPE-Länder relativ klein, offen und exportorientiert sind, wird viel von der Wirtschaftsleistung der großen europäischen Akteure – vor allem Deutschlands – abhängen. Die Wachstumserwartungen für die wichtigsten Exportmärkte der Region sind noch immer recht schwach und teilweise von steuerlichen und finanziellen Förderprogrammen abhängig, deren Wirkung bald verpuffen könnte. Außerdem sehen Experten trotz des erneuten (wenn auch bescheidenen) Wirtschaftswachstums in der Region einen stetigen Anstieg der Arbeitslosigkeit mindestens bis zum Jahr 2012 voraus.

Zukünftige Aufgaben für CENTROPE

In diesem Zusammenhang bemerkte Peter Havlik vom Wiener Institut für Internationale Wirt-schaftsvergleiche in seinem Kommentar zur Lage in den MOEL, dass „das Schlimmste vorbei ist, aber leider auch das Beste“. Allerdings weist die Region CENTROPE besondere Vorzüge und auch die Fähigkeit auf, trotz der schwierigeren Rahmenbedingungen entsprechende Instrumente für starkes und nachhaltiges Wachstum in den nächsten Jahren zu entwickeln. Dafür muss sie derzeitige Schwachstellen bei Forschung und Bildung abbauen und spezielle regionale Instrumente zur Überwindung bestehender Problems auf dem Arbeitsmarkt (z.B. die relativ niedrigere Beschäftigungsquote für ältere ArbeitnehmerInnen, steigende Jugendarbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit) entwickeln. Mit einem klaren Schwerpunkt auf Humanressourcen, Forschung und Bildung wird CENTROPE Capacity seinen Teil beitragen, um Wachstumschancen und Wettbewerbsfähigkeit der Region zu verbessern.