Befürchtungen wegen der Öffnung des österreichischen Arbeitsmarkts für Personen aus den Nachbarstaaten sind übertrieben – vielmehr liegt die wahre Herausforderung in der Anhebung des (Aus-) Bildungsniveaus. Nur mit einem größeren Anteil hoch qualifizierter Personen kann CENTROPE fit für die Wissensgesellschaft werden.
Der gemeinsame Arbeitsmarkt schafft neue Rahmenbedingungen für CENTROPE
Wenige Themen waren in den letzten Jahren so heiß umstritten wie die dem österreichischen Arbeitsmarkt eingeräumten Übergangsfristen für Beschäftigte aus acht der neuen Mitgliedsländer, die der EU im Jahr 2004 beigetreten waren. Dabei waren die Erwartungen aufgrund auf den beiden Seiten des ehemaligen Eisernen Vorhangs verständlicherweise unterschiedlicher Natur. In Österreich lag das Schwergewicht vor allem auf den befürchteten negativen Konsequenzen. Dennoch kann die Öffnung des Arbeitsmarkts mehr Vorteile als Nachteile bringen, wie Johannes Kopf, Vorstandsmitglied des AMS Österreich, betont. Bei einer Podiumsdiskussion anlässlich des CENTROPE Gipfels in Győr wies er darauf hin, dass die Befürchtungen, billigere Arbeitskräfte aus den Nachbarländern könnten den ÖsterreicherInnen ihre Jobs „stehlen“, unbegründet sind: Menschen suchen nur dann eine Stelle in Österreich, wenn ausreichend Arbeitsplätze vorhanden sind.
Höheres Qualifizierungs- und Ausbildungsniveau entscheidend für den Wohlstand der Region
Tatsächlich ist die wahre Herausforderung für die Beschäftigungssicherung und Schaffung neuer Arbeitsplätze ganz anderer Art: Nur ein hohes Qualifizierungs- und Ausbildungsniveau sichert die Wettbewerbsfähigkeit von CENTROPE in der Wissensgesellschaft. Hier wird es jedoch problematisch für CENTROPE, da zu wenige Arbeitskräfte der Region Universitätsabschlüsse vorweisen können. Während in den EU-27 im Durchschnitt 20 % der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter über ein Hochschul- oder ähnliches Diplom verfügen, beträgt dieser Prozentsatz in CENTROPE lediglich 15,4 %. Dass der Anteil von Personen mit bloßem Pflichtschulabschluss in CENTROPE beträchtlich niedriger ist als im EU-Durchschnitt und immerhin 62 % der Bevölkerung eine Mittelschule besucht haben, gleicht dieses Manko nur teilweise aus. Eine weitere Problematik besteht darin, dass viele junge Menschen mit Universitätsbildung CENTROPE verlassen und anderswo ihr Glück suchen, wodurch Braindrain zur ernstzunehmenden Gefahr für die Region wird.
Daher ist die Stärkung des Humankapitals – insbesondere hinsichtlich des Hochschulsektors – wesentlich für die Sicherung der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit von CENTROPE. Dies bedeutet nicht bloß, dass mehr Personen Universitäten und weiterführende Ausbildungskurse besuchen sollten; verbesserte Koordination zwischen den Bildungssystemen der vier Staaten, eine Vereinfachung grenzüberschreitender Beschäftigung sowie die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen sind ebenfalls erforderlich. Noch gibt es keine zufriedenstellend harmonisierten (Aus-) Bildungsstandards in CENTROPE, wie Ivo Nesrovnal, stellvertretender Präsident des Kreises Bratislava, anmerkt. Der Wandel könnte durch die Förderung höherer Qualifizierungsstandards sowie von Forschung und Entwicklung innerhalb der gesamten Region erzielt werden. Durch die Öffnung des österreichischen Arbeitsmarkts rückt dieses Ziel nun ein Stück näher – einer von vielen Schritten hin zu einem integrierten und effizienten gemeinsamen Markt für CENTROPE.
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