Grenzenloser Naturschutz entlang der Donau

Entlang ihrer 2.888 km langen Fließstrecke passiert die Donau unterschiedlichste Klimazonen. Entsprechend vielfältig ist ihre Flora und Fauna. Gleichzeitig zählt die Donau zu den zehn gefährdetsten Flüssen der Welt. Ein neuer Nationalpark ist geplant.

Über ihre vielen hundert Kilometer Länge wechseln nicht nur die Anrainernationen der Donau, auch ihr „Gesicht“ verändert sich im Laufe dieser Reise: Vom Gebirgsfluss mit groben Schotterbänken und einem zum Teil in enge Schluchten eingezwängten Flussbett wandelt sich die Donau zu einem Strom der Ebene mit ausgedehnten Auwäldern, Mäandern und Inseln. Und jeder dieser unterschiedlichen Abschnitte ist Lebensraum anderer, teilweise stark gefährdeter Tier- und Pflanzenarten.

Doch diese Artenvielfalt ist stark bedroht: Aufgrund der massiven Ausbaubestrebungen für die Schifffahrt und der noch geplanten Wasserkraftnutzungen zählt der World Wildlife Fund (WWF) die Donau zu den zehn gefährdetsten Flüssen der Welt. Nur 20 % der Überschwemmungsgebiete, die im 19. Jahrhundert existierten, sind heute noch vorhanden und nur noch die Hälfte des Flusslaufs kann als zumindest „naturnah“ bezeichnet werden. Besonders am Oberlauf der Donau prägen Wasserkraftwerke und deren Stauräume das Bild – und machen den Fluss undurchgängig für viele Fische. Allein auf österreichischem Staatsgebiet liegen elf Donaukraftwerke; flussabwärts von Wien erzeugt das größte slowakische Kraftwerk, Gabčíkovo, rund 11 % des nationalen Strombedarfs. Verschmutzung durch Industrie, Landwirtschaft und Tourismus, Uferverbauungen und Hafenanlagen stellen zusätzliche Gefährdungen für das vielfältige Flusssystem dar. Eine Herausforderung, der sich die CENTROPE-Staaten ebenso wie die weiteren Donauanrainer nur gemeinsam erfolgreich stellen können.

Neue Nationalparks geplant

Mit dem Nationalpark Donau-Auen verfügt die CENTROPE-Region über ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet mit Modellcharakter am Schnittpunkt der Naturräume Donauraum, Neusiedlersee und March. Der Nationalpark bewahrt auf mehr als 9.300 Hektar Fläche eine der größten intakten Au-Landschaften Mitteleuropas. Bei einer Gesamtlänge von 38 Kilometern misst das Gebiet an seiner breitesten Stelle kaum 4 Kilometer. Die hier noch frei fließende Donau gestaltet mit Pegelschwankungen von bis zu sieben Metern die Flussauen-Landschaft immer wieder neu. Nach ersten grenzüberschreitenden Initiativen in den 1980er-Jahren erfolgte 1996 die Gründung des Nationalparks. Heute ist der Nationalpark Donau-Auen für die Bevölkerung aus sämtlichen angrenzenden Centrope-Regionen ein beliebter Naherholungsraum. Durch den Park ziehen der Weitwanderweg 07 und der Donauradweg, der von Passau kommt und über Hainburg nach Ungarn führt. Vor allem zwischen den Tourismuseinrichtungen in Österreich und der Slowakei bestehen längst enge Kooperationsbeziehungen.

Auch die Zusammenarbeit mit bedeutenden Schutzgebieten an der ungarischen Donau wird kontinuierlich ausgebaut. In der Nähe von Györ zweigt ein Seitenarm, die Moson-Donau, von der Donau ab und bildet mit dem Hauptstrom die Kleine Schüttinsel. Der größere Teil der Insel liegt auf ungarischem, der nördliche kleinere auf slowakischem Territorium. Die Insel dient Zugvögeln als Brutplatz und bildet ein Rückzugsgebiet für Wildtiere. Zudem kommen hier verschiedene Pflanzenarten vor, die sonst in den beiden Ländern nicht zu finden sind. Bereits seit 1987 stehen große Teile der Schüttinsel unter Naturschutz. Für die nahe Zukunft ist auf der Insel der Nationalpark Szigetköz geplant.

Internationale Zusammenarbeit – CENTROPE-Länder aktiv im Schutz der Donau

Im Jahr 1994 wurde in Sofia das Übereinkommen über die Zusammenarbeit zum Schutz und zur verträglichen Nutzung der Donau durch die Donaustaaten unterzeichnet. Zwei der langfristigen Ziele sind der Aufbau eines einheitlichen Gewässerschutzes und die Entwicklung eines staatenübergreifendes Warn- und Alarmsystem zur Bekämpfung unfallbedingter Verschmutzungen. Die Internationale Kommission zum Schutz der Donau mit Sitz in Wien bildet die organisatorische Drehscheibe der Umsetzung. Vertragsparteien sind neben Tschechien, der Slowakei, Österreich und Ungarn auch Deutschland, Bulgarien, Kroatien, Moldawien, Rumänien, die Ukraine und die EU.

Im Bereich des Hochwasserschutzes bestehen bereits seit Jahrzehnten Gewässerverträge und bilaterale bzw. multilaterale Gewässerkommissionen zwischen den Centrope-Partnerstaaten. Im Jahr 2004 haben die 13 Vertragsstaaten des Donauschutzübereinkommens schließlich ein „Aktionsprogramm für den nachhaltigen Hochwasserschutz im Donaueinzugsgebiet“ beschlossen. Damit sollen einerseits Menschen und Vermögenswerte geschützt und andererseits die Erhaltung und Verbesserung der Fluss-Ökosysteme gefördert werden. Das Aktionsprogramm wird auf nationaler Ebene umgesetzt.

Drehscheibe „Danubeparks“

Das im Juni 2009 offiziell von neun Schutzgebietsverwaltungen aus Österreich, der Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien gegründete Netzwerk der Donauschutzgebiete mit dem Namen Danubeparks setzt sich zum Ziel, gemeinsame Herausforderungen im Naturschutz entlang der Donau mit transnational koordinierten Lösungen anzugehen. Im Laufe eines dreijährigen, vom Programm für Europäische Territoriale Zusammenarbeit – South East Europe kofinanzierten Projekts werden Erfahrungen ausgetauscht, gemeinsame Strategien entwickelt sowie erste Pilotprojekte umgesetzt. Nähere Informationen unter http://www.danubeparks.org/

Auch die derzeit von der Europäischen Kommission erarbeitete Donaustrategie unterstützt die transnationale Zusammenarbeit im Naturschutz. Eine der drei Säulen der Kooperation betrifft den Erhalt der Natur und Biodiversität. Werden die Säulen gleichwertig behandelt, darf man auf stärkere Verankerung von transnationalen Schutzstrategien entlang des Flusses sowohl auf politischer als auch auf Programmebene hoffen.