Eine attraktive und innovative Wissensregion schaffen – Erkenntnisse aus Südmähren

Welche Barrieren verhindern Spitzenleistungen in der Forschung? Was sind die Hürden auf dem Weg zu erfolgreichem Technologietransfer? Unter welchen Rahmenbedingungen kann eine Gesellschaft aus der Forschung Gewinn ziehen? Eine unter südmährischen öffentlichen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen durchgeführte Umfrage bietet Antworten auf diese für den Aufbau einer Wissensregion grundlegenden Fragen, die in vieler Hinsicht auch für CENTROPE im Ganzen gültig sind.

Molekularbiologie und daran anknüpfende Sparten sowie angewandte Wissenschaftszweige sind die wichtigsten Forschungsschwerpunkte in Südmähren. Als Eckpfeiler des regionalen Innovationssystems schaffen sie neues Wissen, das innovatives Unternehmertum stimuliert. Zusammen mit Materialforschung, Instrumentenherstellung, IKT, Maschinenbau und Elektrotechnik waren diese wesentlichen Forschungsschwerpunkte Thema einer Studie über das Potenzial für Forschungsexzellenz und Technologietransfer in Südmähren.

Insgesamt 90 Forschungsteams in der Region Südmähren nahmen 2010 an dieser Umfrage teil, die mehr Wissen über die Bedingungen und Hindernisse für eine positive Entwicklung der Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen sowie den Transfer von Forschungsergebnissen erbringen sollte.

Höchst qualifiziertes Humankapital: eine sinnvolle Investition in die Zukunft

Die Umfrage benannte eine Anzahl von Hindernissen, die bessere Forschungsleistungen in der Region beeinträchtigen. Bereits unter den MittelschulabgängerInnen besteht zu wenig Interesse an Technik und Naturwissenschaften. Geringe Einkommenschancen, ein wenig verlockender internationaler Ruf und unzureichende Unterstützung tragen ebenfalls zum nachteiligen Image von Forschungskarrieren bei und behindern die Entwicklung eines stärkeren Interesses an der Wissenschaft unter der Jugend. An der Spitze des universitären Ausbildungssystems führt die Struktur der Doktorandenlehrgänge in der Tschechischen Republik – wo das durchschnittliche Abgängerniveau beträchtlich hinter dem vorhandenen Potenzial zurückbleibt – gleichfalls zu einem nur relativ kleinen Pool für den Forschungsnachwuchs. Lösungsansätze sind u.a. internationale Stipendien für begabte Studierende und junge ForscherInnen sowie eine verbesserte gemeinsame Marketingstrategie, mit der die Region als Standort für Wissenschaft, Forschung und Technologie der Spitzeklasse präsentiert wird.

Engere Zusammenarbeit unter Schlüsselakteuren: ein entscheidender Faktor für erfolgreichen Technologietransfer

Ein weiterer, ergänzender Ansatz für die bessere Nutzung von Wissen and Potenzial der Region liegt in einer Verbesserung des Technologietransfers (TT) zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen und privaten Unternehmen. Ein wesentliches Element zur TT-Förderung besteht in besserer Zusammenarbeit und Koordination zwischen Gebietskörperschaften, örtlichen Universitäten und sonstigen Forschungseinrichtungen einerseits und führenden lokalen Unternehmen und deren Vertretern (z.B. Wirtschaftskammern) andererseits. Diese engere Kooperation sollte die Einführung wirksamer Verfahren und TT-Unterstützungsdienste im Rahmen universitärer Einrichtungen beschleunigen.

Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, empfiehlt die Studie unter anderem, die derzeitige Regionale Innovationsstrategie für Südmähren um ein Instrument zu erweitern, das Veränderungen in lokalen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen anregt. Dieses Instrument sollte es leichter machen, wichtige Akteure mit Erfahrung in der TT-Unterstützungsarbeit zu vereinen, und Forschungseinrichtungen oder einzelne Forscherteams ermuntern, auf TT-Unterstützungsdienste zurückzugreifen. Dieses Tool sollte nicht in Konkurrenz zur Technologieagentur der Tschechischen Republik treten, sondern diese vielmehr um ein neues Finanzierungsmodell erweitern. Außerdem empfehlen die Verfasser der Studie die Bestellung unabhängiger Technologiescouts, die aktiv Marketingmaßnahmen vorantreiben und lokale Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen vertreten sollen. Diese Scouts würden signifikant zu einer Verbesserung des kommerziellen Potenzials universitärer Einrichtungen in Südmähren sowie zur Vermarktung von Forschungsergebnissen beitragen.